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Von einer Fünf aus eine Eins – Nachhilfe gegen Gartenarbeit

Senior am Tisch zwischen zwei Jungen(v.l.) Lukas Michel, Nachhilfelehrer Daniel Koch und Florian Michel beschenken sich gegenseitig: Nachhilfe in Mathe und Englisch gegen Gartenarbeit – so hat jeder was von der Tauschbörse des Mehrgenerationenhauses des Caritas-Zentrums Kaiserslautern.Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer

Mit guten Schulnoten glänzen - der Tauschring des Mehrgenerationenhauses Kaiserslautern macht's möglich. Dank ehrenamtlicher Nachhilfe hat es ein Schüler geschafft, seine Mathezensuren immens zu verbessern. Und das ohne einen Cent dafür zu bezahlen. Eine Erfolgsgeschichte, die Nachahmer sucht.

Besser geht’s nicht: Florian Michel hat eine Eins in Mathematik geschrieben. Stattliche vier Noten besser als noch vor wenigen Monaten. Damals stand nicht nur einmal eine Fünf auf der Klassenarbeit. "Eigentlich war ich in Mathe nie schlecht, bin sogar zu diesem Schuljahr vom G- in den anspruchsvolleren E-Kurs aufgestiegen", erzählt Florian, der die neunte Klasse an der Integrierten Gesamtschule Bertha von Suttner besucht. "Aber dann war irgendwie der Wurm drin. Ich konnte meine Leistungen nicht halten und hatte im Halbjahreszeugnis eine Fünf." Spätestens jetzt war klar, dass etwas passieren muss. Die Lösung fand sich im Mehrgenerationenhaus, einer Einrichtung des Caritas-Zentrums, wo Florians Mutter als Reinigungskraft arbeitet. "Hier habe ich vom Tauschring erfahren, mich angemeldet und nachgeschaut, ob jemand Nachhilfe in Mathe anbietet", berichtet sie. Prompt findet sie in Daniel Koch, von Beruf Informatiker, den richtigen Mann. "Ich bin in Altersteilzeit und hatte mir vorgenommen, etwas Sinnvolles zu tun. Seit sechs Monaten biete ich im Tauschring Nachhilfe an, mache mich aber auch im Fahrdienst nützlich", sagt der 61-Jährige. Zum ersten Treffen ist Florians Mutter mitgekommen. "Es ist ja für alle Seiten wichtig, sich erst einmal kennen zu lernen." Schnell war klar, dass die Chemie stimmt. Nun lässt sich der Schüler seit Spätherbst einmal pro Woche von Daniel Koch in Mathe auf die Sprünge helfen. Mit Ergebnissen, die sich sehen lassen können. "Ich hab seitdem zwei Dreien geschrieben, jetzt eine Eins und mündlich stehe ich auch auf Eins", freut sich der 15-Jährige und lobt seinen Nachhilfelehrer. "Er erklärt mir alles ausführlich und gibt mehrere Beispiele. So fällt es mir viel leichter, den Stoff zu verstehen." Die Erfolge wecken Florians Ehrgeiz, machen ihm Mut und motivieren ihn. 

Dem Beispiel will sein jüngerer Bruder Lukas folgen. Bei ihm hakt es in Englisch. Wie das Glück es will, ist Daniel Koch auch darin fit. Und so nimmt der 12-Jährige, der in die sechste Klasse geht, ebenfalls bei ihm Unterricht. "Herr Koch erklärt gut, bei ihm kann ich mich besser konzentrieren." Außerdem falle es ihm in der Schule schwer, sich auf Englisch zu äußern. "Weil jeder, der Fehler macht, von den ande-ren gehänselt wird." Ein weiterer Grund für Lukas, seine Englisch-Kenntnisse auf Vordermann zu bringen. Dabei setzt Daniel Koch zusätzlich auf die neuen Medien: "Wir haben zwei Apps gefunden, mit denen Lukas trainieren kann."

Im Gegenzug gehen die Brüder ihrem Nachhilfelehrer im Garten zur Hand. Eine Hilfe, die sie über den Tauschring-Account ihrer Mutter anbieten. "Dass sich die beiden direkt bei Daniel Koch revanchieren können, ist Zufall und kein Muss. Denn eine Gegenleistung kann man auch bei jedem anderen Mitglied des Tauschrings erbringen", betont Petra Neumahr, die das Mehrgenerationenhaus koordiniert, und erläutert das Prinzip. "Der Tauschring beruht auf dem Prinzip des Gebens und Nehmens. Jedes Mitglied bietet an, was es gut kann und nimmt, was es braucht." Der Austausch ist freiwillig und kostenlos. Eine Währung gibt es trotzdem. In Form von so genannten Lauterlingen wird der Wert jeder erbrachten Dienstleistung honoriert und auf einem virtuellen Konto verbucht. Mit dem Guthaben können wiederum Dienste in Anspruch genommen werden. Und ist mal ein Konto im Minus, macht das gar nichts. "Davor muss sich niemand scheuen, wir finden immer eine Lösung, wie es sich wieder ausgleichen lässt, ganz ohne Druck." 

Die Anmeldung zum Tauschring erfolgt per Internet. Wer damit Probleme hat, be-kommt Hilfe im Mehrgenerationenhaus. Außerdem findet an jedem ersten Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr der Tauschring-Stammtisch statt, bei dem sich Interessierte unverbindlich informieren können.

Text und Foto: Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer